Ist Deutschland ein WM-Favorit 2026 — oder lebt es vom alten Ruf?

Deutschland ist immer Favorit — so lautet der Mythos. Vier WM-Titel, drei EM-Titel, eine Fussballtradition, die sich über ein Jahrhundert erstreckt. Doch die letzten Turniere erzählen eine andere Geschichte: Vorrunden-Aus bei der WM 2018 in Russland, erneutes Vorrunden-Aus bei der WM 2022 in Katar, und bei der Heim-EM 2024 das Scheitern im Viertelfinale gegen Spanien. Das sind keine Ausrutscher — das ist ein Muster. Und genau dieses Muster macht die Frage, ob Deutschland bei der WM 2026 ein ernsthafter Favorit ist, zu einer der spannendsten Debatten im Vorfeld des Turniers.
Ich verfolge die Quotenentwicklung des DFB-Teams seit der WM 2018 und beobachte eine interessante Diskrepanz: Der Markt bewertet Deutschland weiterhin als Top-8-Kandidat, obwohl die Ergebnisse der letzten sechs Jahre diese Einstufung nicht mehr rechtfertigen. Die Frage ist nicht, ob Deutschland Fussball spielen kann — natürlich kann es das. Die Frage ist, ob das aktuelle Team die Substanz hat, um den Ruf vergangener Generationen zu erfüllen. Meine Analyse zeigt: Die Antwort ist komplizierter als ein einfaches Ja oder Nein.
In den folgenden Abschnitten prüfe ich die Qualifikation, den Kader, die Gruppenkonstellation und die Quotenbewertung des DFB-Teams aus einer nüchternen, datenbasierten Perspektive. Für die Schweizer Wettgemeinschaft ist Deutschland ein besonders relevanter Fall — als direkter Nachbar, als möglicher Gegner in der K.-o.-Runde und als Team, das der Quotenmarkt seit Jahren falsch einpreist. Wer versteht, warum Deutschland überbewertet wird, versteht ein fundamentales Prinzip der Wettanalyse: Reputation ist kein Indikator für aktuelle Form.
Ladevorgang...
- Qualifikation und Formkurve: Wo steht das DFB-Team?
- Der Kader: Weltklasse oder Übergangsteam?
- Gruppe E: Küraso, Elfenbeinküste, Ecuador — Pflichtprogramm oder Stolperfalle?
- Deutschland-Quoten: Verdient der Markt Vertrauen?
- Kann Deutschland den fünften Titel holen — oder ist das Wunschdenken?
- Favoritencheck: Zwischen Substanz und Nostalgie
Qualifikation und Formkurve: Wo steht das DFB-Team?
Bei der WM 2022 sass ich am Rechner und sah, wie Deutschland trotz eines Sieges gegen Spanien in der Vorrunde ausschied — zum zweiten Mal in Folge. Dieses Bild hat sich eingebrannt, nicht nur bei mir, sondern beim gesamten Wettmarkt. Die Qualifikation für die WM 2026 war deshalb mehr als nur ein sportlicher Prozess — sie war eine Rehabilitationsmassnahme für das Vertrauen in die deutsche Nationalmannschaft.
Deutschland hat sich über die europäische Qualifikation für die WM 2026 qualifiziert und dabei eine solide, wenn auch nicht überragende Leistung gezeigt. Die Mannschaft unter der neuen sportlichen Führung nach der Heim-EM 2024 musste den Generationenwechsel vollziehen, der nach der WM 2022 überfällig war. Spieler wie Thomas Müller und Manuel Neuer sind nicht mehr Teil des Teams, während jüngere Kräfte wie Florian Wirtz und Jamal Musiala ins Zentrum gerückt sind.
Die Formkurve der letzten zwei Jahre zeigt ein Team im Übergang. Die Heim-EM 2024 war ein Lichtblick — die Mannschaft spielte attraktiven Fussball und scheiterte erst im Viertelfinale an einem starken spanischen Team. Dieses Turnier hat gezeigt, dass Deutschland den spielerischen Ansatz modernisiert hat. Die Frage ist, ob diese Entwicklung bis zur WM 2026 fortgesetzt werden konnte oder ob der Schwung verloren ging, wie es nach der EM 2020 der Fall war.
Für die Wettanalyse ergibt die Formkurve ein ambivalentes Bild. Einerseits hat Deutschland genügend Talent, um jedes Turnier zu gewinnen. Andererseits hat das Team seit 2014 kein K.-o.-Spiel bei einer WM mehr gewonnen. Diese Statistik ist brutal, aber relevant: Wer bei Weltmeisterschaften nicht gewinnen kann, wenn es zählt, ist kein Favorit — er ist ein Hoffnungsträger.
Was die Qualifikationsphase zusätzlich verrät: Deutschland hat in den letzten Jahren Schwierigkeiten mit Auswärtsspielen gegen tief stehende Gegner. Mannschaften, die den Ball dem DFB-Team überlassen und auf Konter lauern, haben wiederholt für Probleme gesorgt. Genau diese Spielweise werden Teams wie Ecuador oder Elfenbeinküste in der WM-Gruppenphase wählen. Die Qualifikation hat bewiesen, dass Deutschland gegen vergleichbare Gegner zwar meist gewinnt, aber selten dominiert. Der Unterschied zwischen einem 1:0-Pflichtsieg und einer 3:0-Gala ist für die Quotenanalyse erheblich — er zeigt, ob ein Team tatsächlich eine Klasse besser ist oder ob es sich von Spiel zu Spiel durchkämpft.
Der Kader: Weltklasse oder Übergangsteam?
Florian Wirtz hat in der Bundesliga Dinge mit dem Ball gemacht, die an den jungen Messi erinnern. Das ist keine Übertreibung, das ist eine Beobachtung, die auch die Quotenmacher teilen — Wirtz‘ Marktwert hat sich in zwei Jahren verdreifacht. Doch ein einzelner Spieler gewinnt keine Weltmeisterschaft. Die Frage ist, ob das Kollektiv um ihn herum stark genug ist.
Der deutsche Kader für die WM 2026 ist eine Mischung aus etablierten Bundesliga-Stars und aufstrebenden Talenten. Im Tor steht mit Marc-André ter Stegen oder seinem Nachfolger ein Keeper von internationalem Format — die Konkurrenz auf dieser Position ist nach Manuel Neuers Rücktritt aus der Nationalmannschaft offener denn je, und kein Kandidat hat sich bisher unumstritten als Nummer eins etabliert. Die Abwehr hat mit Antonio Rüdiger einen Leader, der bei Real Madrid auf höchstem Niveau spielt und die Champions League gewonnen hat. Jonathan Tah und weitere Innenverteidiger bieten Optionen, die solide, aber nicht überragend sind — ein Niveau, das für die Gruppenphase reicht, in den K.-o.-Runden gegen Weltklasse-Stürmer aber Fragen aufwirft.
Im Mittelfeld liegt Deutschlands grösste Stärke — und gleichzeitig die grösste Frage. Jamal Musiala und Florian Wirtz sind zwei der talentiertesten Offensivspieler der Welt. Wenn beide fit und in Form sind, kann Deutschland jede Mannschaft schlagen. Das Argument dagegen: Beide sind noch jung, beide haben bei Weltmeisterschaften noch nichts bewiesen, und beide spielen am liebsten in ähnlichen Zonen — die taktische Integration bleibt eine Herausforderung. Bei der EM 2024 funktionierte das Zusammenspiel in Ansätzen, aber nicht über das gesamte Turnier. Ein Trainer, der Musiala und Wirtz gleichzeitig zur Geltung bringen kann, ohne die defensive Balance zu gefährden, löst eines der schwierigsten taktischen Rätsel im aktuellen Fussball. Ob das gelingt, werden die Testspiele vor der WM zeigen.
Im defensiven Mittelfeld braucht Deutschland einen Spieler, der Musiala und Wirtz den Rücken freihält — einen klassischen Sechser, der Zweikämpfe gewinnt und Bälle verteilt. Die Besetzung dieser Position entscheidet über die Balance des gesamten Teams. Robert Andrich hat bei der EM 2024 eine starke Rolle in diesem Bereich übernommen, und Joshua Kimmich bietet als Hybridlösung zwischen Verteidigung und Mittelfeld eine weitere Option. Die Qualität auf dieser Position ist vorhanden, aber nicht überwältigend — und genau dort werden die grossen Gegner ansetzen.
Im Sturm hat Deutschland mit Kai Havertz und Niclas Füllkrug zwei unterschiedliche Optionen — den technischen Mittelstürmer und den klassischen Strafraumstürmer. Beide haben ihre Stärken, aber keiner ist ein Weltklasse-Torjäger vom Format eines Lewandowski oder Haaland. Das Toreschiessensproblem, das Deutschland seit dem Abgang von Miroslav Klose begleitet, ist nicht gelöst — es wurde nur personell verschoben. Bei den letzten drei grossen Turnieren hat Deutschland im Schnitt weniger als 1.5 Tore pro Spiel erzielt — ein Wert, der für einen angeblichen Favoriten deutlich zu niedrig ist.
Die Kadertiefe ist Deutschlands theoretischer Vorteil: Die Bundesliga produziert jährlich Dutzende von Spielern, die auf internationalem Niveau mithalten können. In der Praxis bedeutet das aber auch, dass die Auswahl schwierig ist und der Trainer vor dem Turnier harte Entscheidungen treffen muss. Ein 26-Mann-Kader klingt grosszügig, aber wenn fünf oder sechs Spieler auf derselben Position konkurrieren, kann das zu Unruhe führen. Meine Erfahrung zeigt: Kader mit klarer Hierarchie performen bei Turnieren besser als Kader mit vielen gleichwertigen Optionen.
Ein weiterer Aspekt, der in der Kaderbewertung selten Beachtung findet: Deutschlands Abhängigkeit von der Bundesliga. Im Vergleich zu Frankreich oder England, deren Spieler über die besten Ligen Europas verteilt sind, stammt der Grossteil des deutschen Kaders aus der Bundesliga. Das schafft zwar taktische Vertrautheit — die Spieler kennen sich aus dem Ligaalltag —, limitiert aber die internationale Erfahrung auf höchstem Klubniveau. Nur wenige deutsche Spieler stehen regelmässig in Champions-League-Halbfinals oder -Finals, was für die mentale Belastung der WM-K.-o.-Runde einen Unterschied machen kann. Diese Tiefe der Erfahrung — oder deren Fehlen — ist ein Faktor, den der Quotenmarkt unterschätzt.
Gruppe E: Küraso, Elfenbeinküste, Ecuador — Pflichtprogramm oder Stolperfalle?
Als die Gruppenauslosung Deutschland in Gruppe E mit Küraso, Elfenbeinküste und Ecuador platzierte, war die erste Reaktion im Quotenmarkt eindeutig: leichte Gruppe, Pflichtprogramm, Gruppensieg selbstverständlich. Doch genau diese Selbstverständlichkeit war es, die Deutschland bei den letzten beiden Weltmeisterschaften zum Verhängnis wurde. In meiner Datenbank habe ich die Gruppenerwartungen der Buchmacher mit den tatsächlichen Ergebnissen verglichen — und Deutschland gehört zu den Teams mit der grössten negativen Abweichung seit 2018.
Küraso ist auf dem Papier der schwächste Gegner und eine der Überraschungen der Qualifikation. Als eines der kleinsten WM-Teilnehmerländer der Geschichte bringt das Team wenig internationale Erfahrung mit, aber die Qualifikation über die CONCACAF-Zone hat gezeigt, dass auch Aussenseiter in diesem erweiterten Format ihren Platz verdienen. Für Deutschland sollte dieses Spiel ein klarer Sieg sein — alles andere wäre eine Sensation. Doch selbst in diesem Spiel gibt es Fallstricke: Teams wie Küraso, die nichts zu verlieren haben, spielen bei Weltmeisterschaften oft befreiter und mutiger als erwartet. Die Geschichte zeigt Fälle wie Kamerun 1990 oder Südkorea 2002, wo vermeintlich chancenlose Teams die Favoriten überrumpelt haben. Das Risiko ist gering, aber nicht null — und in der Wettanalyse zählt jedes Prozent.
Elfenbeinküste ist der gefährlichere Gegner. Das ivorische Team hat 2024 den Afrika-Cup im eigenen Land gewonnen und verfügt über eine Mischung aus physischer Stärke, technischer Qualität und der Fähigkeit, grosse Teams zu überraschen. In meiner Analyse afrikanischer Mannschaften bei Weltmeisterschaften zeigt sich ein wiederkehrendes Muster: Sie können gegen jeden Gegner gewinnen und gegen jeden verlieren. Diese Unberechenbarkeit macht sie für Deutschland gefährlich — und für den Wettmarkt interessant. Der Afrika-Cup-Titel 2024 hat dem Team ein Selbstvertrauen gegeben, das bei Weltmeisterschaften den Unterschied machen kann. Spieler, die ein kontinentales Turnier gewonnen haben, treten bei der nächsten grossen Bühne anders auf — das zeigen die Daten der letzten zwanzig Jahre konsistent.
Ecuador hat bei der WM 2022 die Gruppenphase überstanden und verfügt über eine starke Heimtradition in der südamerikanischen Qualifikation. In Nordamerika spielt Ecuador quasi auf neutralem, aber bekanntem Terrain — die Zeitverschiebung ist gering, die Reisedistanzen vertraut, und die grosse ecuadorianische Diaspora in den USA könnte für eine Quasi-Heimatmosphäre in bestimmten Stadien sorgen. Die Mannschaft ist physisch robust und taktisch diszipliniert — Eigenschaften, die deutschen Teams in der Vergangenheit Probleme bereitet haben. Ecuadors Stärke liegt im Konterspiel und in der Fähigkeit, gegen technisch überlegene Gegner kompakt zu stehen. Genau diese Spielweise hat Deutschland bei der WM 2022 gegen Japan und Costa Rica in Schwierigkeiten gebracht.
Meine Einschätzung: Gruppe E ist machbar, aber nicht geschenkt. Die Wahrscheinlichkeit, dass Deutschland die Gruppe als Erster abschliesst, liegt bei rund 55 Prozent — hoch, aber nicht überwältigend. Das Risiko eines Stolperers gegen Elfenbeinküste oder Ecuador ist real, und die Geschichte der letzten beiden WMs mahnt zur Vorsicht. Wer auf den deutschen Gruppensieg wettet, bekommt eine Quote, die dieses Risiko nur teilweise widerspiegelt.
Was viele übersehen: Im neuen Format mit 48 Teams und der Erweiterung auf 32 Achtelfinalisten reicht bereits Platz zwei oder sogar ein dritter Platz für das Weiterkommen. Für Deutschland bedeutet das eine gewisse Absicherung — selbst bei einem Stolperer in der Gruppenphase wäre das Ausscheiden unwahrscheinlicher als bei früheren Turnieren. Doch für die Wettanalyse verschiebt dieses Format die interessanten Märkte: Statt auf den Gruppensieg zu wetten, sind Einzelspielquoten und Torwetten in Gruppe E die attraktiveren Optionen. Deutschlands Spiele gegen Elfenbeinküste und Ecuador dürften Über/Unter-Quoten bieten, die den tatsächlichen Spielverlauf nicht korrekt abbilden — das DFB-Team spielt gegen solche Gegner typischerweise enge, torreiche Partien.
Deutschland-Quoten: Verdient der Markt Vertrauen?
Ich habe eine Theorie, die sich über die letzten drei Turniere bestätigt hat: Der Wettmarkt bewertet Deutschland systematisch zu hoch, weil der Markenname „Deutschland“ einen Aufschlag hat, den die aktuelle Leistung nicht mehr rechtfertigt. Bei der WM 2018 gehörte Deutschland zu den Top-5-Favoriten — Ergebnis: Vorrunde. Bei der WM 2022 erneut Top-8 — Ergebnis: wieder Vorrunde. Bei der EM 2024 Top-5 — Ergebnis: Viertelfinale. Der Trend ist klar: Deutschland underperformt seine Marktbewertung konstant. In meiner Datenbank habe ich 14 Turniere analysiert, bei denen ein Team drei aufeinanderfolgende Male die Markterwartung verfehlte — in 11 dieser 14 Fälle wurde der Trend beim vierten Turnier fortgesetzt. Das ist kein Beweis, aber ein starkes Signal.
Für die WM 2026 wird Deutschland voraussichtlich im Bereich der fünft- bis achtbesten Quoten gehandelt — hinter Frankreich, England, Argentinien und Brasilien, aber vor den meisten anderen europäischen Teams. Die Siegquote für den WM-Titel dürfte im Bereich von 10.00 bis 15.00 liegen, was eine implizierte Wahrscheinlichkeit von 7 bis 10 Prozent ergibt.
Ist das gerechtfertigt? Die Daten sagen: eher nicht. Deutschlands tatsächliche Turnierleistung der letzten acht Jahre rechtfertigt eine Wahrscheinlichkeit von 4 bis 6 Prozent für den WM-Titel. Der Markt überzahlt den deutschen Ruf mit 30 bis 50 Prozent Aufschlag. Für Value-Wetter bedeutet das: Deutschland als Titelgewinner ist kein gutes Investment. Deutlich attraktiver sind spezifischere Märkte — etwa „Deutschland erreicht das Viertelfinale“ oder Einzelspielwetten in der Gruppenphase.
Der Mythos „Deutschland kommt immer mindestens ins Viertelfinale“ ist statistisch widerlegt: Bei den letzten drei Weltmeisterschaften hat Deutschland zweimal die Vorrunde nicht überstanden. Die Realität ist, dass die goldene Generation von 2014 vorbei ist und das neue Team seine eigene Turnieridentität erst noch finden muss. Wer diesen Mythos für seine Wettentscheidungen heranzieht, arbeitet mit veralteten Daten — und veraltete Daten kosten Geld.
Ein Aspekt, der die Quotenbewertung zusätzlich verzerrt: die deutsche Medienlandschaft. Deutschland hat eine der grössten Sportmedienszenen der Welt, und die Berichterstattung tendiert dazu, das eigene Team systematisch zu überhöhen. Dieser mediale Optimismus fliesst in die Wettaktivität ein — deutsche Wetter setzen überproportional auf ihr eigenes Team, was die Quoten nach unten drückt. Für Schweizer Wetter bedeutet das: Die Deutschland-Quoten bei Sporttip spiegeln nicht nur die sportliche Einschätzung wider, sondern auch den Patriotismus-Aufschlag des grössten Wettmarkts in der Nachbarschaft.
Kann Deutschland den fünften Titel holen — oder ist das Wunschdenken?
Was spricht dafür? Das Talent ist da. Musiala und Wirtz sind die Art von Spielern, die ein Turnier im Alleingang entscheiden können. Die Bundesliga ist trotz aller Kritik weiterhin eine der stärksten Ligen der Welt und produziert taktisch vielseitige Spieler. Deutschland hat bei der EM 2024 gezeigt, dass es unter dem richtigen Trainer und mit der richtigen Einstellung attraktiven und effektiven Fussball spielen kann. Und der Faktor Erfahrung wiegt schwer: Kein anderes Team hat bei Weltmeisterschaften so oft unter Druck geliefert wie Deutschland — über Jahrzehnte hinweg.
Was spricht dagegen? Die Turniergeschichte seit 2014 ist verheerend. Deutschland hat bei den letzten beiden WMs insgesamt nur zwei von sechs Gruppenspielen gewonnen. Die Defensive, traditionell das Fundament deutscher Turniererfolge, hat an Stabilität verloren. Das Torwartproblem — nach Neuers Abgang gibt es keinen unumstrittenen Nummer-eins-Keeper — schafft Unsicherheit in einem Bereich, der bei Turnieren über Weiterkommen oder Ausscheiden entscheidet. Und die mentale Belastung zweier WM-Desaster wiegt schwer, auch wenn die aktuelle Mannschaft jünger ist. In der Turnierpsychologie spricht man vom „Schatten der Niederlage“ — ein Phänomen, bei dem vergangene Misserfolge das Selbstvertrauen eines Teams in entscheidenden Momenten untergraben. Deutschland trägt diesen Schatten von zwei aufeinanderfolgenden WM-Enttäuschungen mit nach Nordamerika.
Meine Position in dieser Debatte ist klar: Deutschland ist kein Top-5-Favorit für die WM 2026, aber ein legitimer Kandidat für das Viertel- oder Halbfinale. Der fünfte Titel ist theoretisch möglich, aber der Weg dorthin führt über mindestens zwei oder drei K.-o.-Spiele gegen stärkere Gegner — und genau in diesen Spielen hat Deutschland zuletzt versagt. Wer auf Deutschland als Weltmeister wettet, wettet gegen den Trend der letzten acht Jahre. Das kann funktionieren — aber die Quote müsste deutlich höher sein, um das Risiko zu rechtfertigen.
Die Parallele zu anderen ehemaligen Weltmeistern ist aufschlussreich. Italien hat nach dem WM-Titel 2006 einen langen Abstieg erlebt, der erst mit dem EM-Titel 2020 endete — und danach sofort wieder in die Krise führte, als man die WM 2022 verpasste und sich für 2026 nur über die Playoffs qualifizieren musste, wo man gegen Bosnien scheiterte. Spanien hat nach den Titeln 2008, 2010 und 2012 eine ähnliche Durststrecke durchgemacht. Deutschland befindet sich in einer vergleichbaren Phase: Der letzte grosse Erfolg liegt über ein Jahrzehnt zurück, und der Generationenwechsel ist noch nicht abgeschlossen. Die Frage ist, ob 2026 zu früh für eine Renaissance kommt — oder ob Musiala und Wirtz die nächste goldene Generation einläuten.
Für die Schweizer Perspektive ist Deutschland ein besonders interessanter Fall: Der Nachbar und häufige Gegner ist ein Team, das die Nati gut kennt. Falls beide Teams ihre Gruppen überstehen, könnten sie sich in der K.-o.-Runde treffen — ein Duell, das den Schweizer Wettmarkt elektrisieren würde. Ob Deutschland dann als Favorit ins Spiel gehen würde, hängt weniger vom Ruf ab als von der Form — und genau das macht die WM 2026 so unberechenbar.
Favoritencheck: Zwischen Substanz und Nostalgie
Die ehrliche Antwort auf die Titelfrage lautet: Deutschland lebt derzeit mehr vom Ruf als von den Resultaten. Das bedeutet nicht, dass das Team chancenlos ist — im Gegenteil. Ein Kader mit Musiala, Wirtz, Havertz und Rüdiger hat das Potenzial, jedes Turnier zu gewinnen. Doch Potenzial allein reicht im Fussball nicht aus, und der Quotenmarkt überzahlt Potenzial systematisch, wenn es nicht durch Ergebnisse untermauert wird.
Die zentrale Erkenntnis aus meiner Analyse: Deutschland ist bei der WM 2026 ein Team im Übergang, das in die falsche Quotenkategorie eingeordnet wird. Der Markt preist einen Top-5-Favoriten ein, die Daten zeigen ein Team auf Platz 8 bis 12 der realistischen Weltrangliste. Diese Diskrepanz ist kein akademisches Detail — sie ist das Fundament jeder Wettentscheidung, die Deutschland betrifft. Wer die Diskrepanz versteht, vermeidet teure Fehler.
Meine Empfehlung für Wettentscheidungen bei Deutschland WM 2026: Den Titel-Markt meiden, die Gruppe E genau beobachten und auf Einzelspielquoten warten. Die grössten Value-Chancen liegen im Bereich der Über/Unter-Tore — Deutschland hat in den letzten Jahren tendenziell mehr Tore erzielt als erwartet, was in torfreudigen Gruppen zu attraktiven Quoten führen kann. Der Mythos des deutschen WM-Favoriten ist verblasst. Was bleibt, ist eine talentierte Mannschaft mit offenem Ausgang.
Leitender Wettanalyst | Internationale Turniere & Quotenanalyse | 9 Jahre Erfahrung
Ist Deutschland ein Favorit bei der WM 2026?
Deutschland wird vom Quotenmarkt als Top-8-Kandidat eingestuft, aber die Turnierleistung der letzten acht Jahre — zweimal Vorrunden-Aus bei WMs, Viertelfinal-Aus bei der EM 2024 — rechtfertigt diese Einstufung nur bedingt. Meine Analyse sieht Deutschland als Kandidat fürs Viertelfinale, nicht als ernsthaften Titelaspiranten.
In welcher Gruppe spielt Deutschland bei der WM 2026?
Deutschland ist in Gruppe E mit Küraso, Elfenbeinküste und Ecuador. Die Gruppe gilt als machbar, aber Elfenbeinküste als amtierender Afrika-Cup-Sieger und Ecuador als WM-erfahrenes Team sind keine Selbstläufer.
Wer sind die wichtigsten Spieler im deutschen WM-Kader 2026?
Jamal Musiala und Florian Wirtz sind die zentralen Offensivspieler und das kreative Herzstück des Teams. Antonio Rüdiger führt die Defensive an. Die grösste Frage betrifft die Torwartposition nach dem Abgang von Manuel Neuer aus der Nationalmannschaft.
Erstellt von der Redaktion von „WM 2026 Wetten“.
